Vegane Ernährung beim Hund

Vegane Ernährung liegt im Trend. Immer mehr Menschen verzichten für das Tierwohl und die Umwelt auf Fleisch. HundebesitzerInnen schielen nun auch immer öfter in den Hundenapf. In diesem Artikel erfährst du, ob eine vegane oder vegetarische Ernährung möglich ist und ob das für deinen Hund sogar gesundheitliche Vorteile mit sich bringen könnte.

Das kannst du hier nachlesen:

Warum die Idee erst einmal gut klingt

Die größten Landsäugetiere der Erde leben vegetarisch. Raubtiere sind dagegen eher die Nachtspeicheröfen unter den Tieren – richtige Energiefresser.

Die größten Landsäugetiere der Erde leben vegetarisch. Raubtiere sind dagegen eher die Nachtspeicheröfen unter den Tieren – richtige Energiefresser.

Wieso also darauf warten, dass die Antilope ihr Savannengras vertilgt, um sie schließlich unter hohem Energieverbrauch zu jagen? Warum nicht direkt selbst am Grashalm nagen?

Und auch ökologisch ist es durchaus sinnvoll. Die Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Sektor in Deutschland. Das Weideland, das für Nutztiere verwendet werden muss ist hier nur ein Aspekt. Weltweit werde rund 36 % des Getreides und 70 % von Soja als Futtermittel verwendet. 

Ökologisch und ethisch gesehen ist Fleischverzicht also wenig diskutabel. Aber wie sieht es mit der Gesundheit? Ist es vertretbar die eigene Ideologie auf das Haustier zu übertragen?

Die Evolution des Hundemagens

Der Hundekörper ist evolutionär zunächst tatsächlich auf das Jagen, Verdauen und Fressen von tierischem Gewebe geprägt. Das erkennen wir Beispielsweise an ihrem Gebiss. Und doch hat sich sein der Domestikation des Haushundes vor rund 33.000 Jahren einiges geändert. 

Der Hund von damals bekam in seinen Anfängen Alles zu fressen, was für die Menschen eben gerade entbehrlich war. Und das war wohl selten gutes Muskelfleisch,

Im Vergleich zu seinem Vorfahr, dem Wolf, hat der Haushund daher die Fähigkeit erworben Kohlenhydrate zu verwerten und mit weniger Proteinen auszukommen. Dieser Vorgang beinhaltet auch biochemische Adaptionen wie zum Beispiel eine erhöhte Genaktivität von Amylase des Pankreas, das der Hund benötigt, um Maltose in Glucose umzuwandeln.

Hunde werden nach aktuellem Kenntnisstand daher eher zu den Fleisch-Allesfressern gezählt.

Der Haushund, wie wir ihn heute kennen, hat die Fähigkeit erworben Kohlenhydrate zu verwerten und mit weniger Proteinen auszukommen.

Studien zu fleischloser Ernährung in Hunden

Studien zeigen, Hunde sind ohne Fleisch tatsächlich lebensfähig. Mehr noch, belegen einige Arbeiten sogar, dass der Hund von einer veganen oder vegetarischen Ernährung sogar profitieren kann.

So beschreiben Forschende im Zusammenhang mit fleischloser Ernährung bei Hunden teilweise sinkendes Übergewicht, eine verminderte Anzahl an Parasiten und weniger Lebensmittelunverträglichkeiten.

Studie 1

Semp, P. „Vegan nutrition of dogs and cats.“ Vienna: Veterinary University of Vienna (2014).

In einer Masterarbeit zu veganer Ernährung von 2014 in Wien wurden 20 Hunde untersucht, die durchschnitt 2,8 Jahren vegan ernährt wurden. 

Im Vergleich zur Kontrollgruppe fand die Autorin keinerlei Anzeichen auf geunsdheitliche Beeinträchtigungen in der veganen Gruppe. Die Eisenwerte waren normal und auch ein Vitamin B12 Mangel wurde nicht festgestellt.

Studie 2

Kiemer, Lukas Andreas. „Vegan diet and its effects on the dog´ s health.“ (2020).

Eine weitere Arbeit von 2020 aus Litauen wurden insgesamt 20 Hunde untersucht, die im Durchschnitt 2,15 Jahre vegan ernährt wurden. Die Blutwerte wurden vor und nach Ablauf der Zeit und mit einer Kontrollkohorte gleicher Größe verglichen.

Unter den Fleischfressern zeigten 11 Hunde Nährstoffdefizite (Folsäuren, Vitamin B12, Calcium oder Eisen), unter den vegan ernährten Hunden hatten zwei Hunde reduzierte Folsäure-Werte.

Studie 3

Und Langzeitstudien? Im Jahr 1994 veröffentlichte  People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) einen Bericht, in dem 28 vegetarisch/vegan lebende Hunde bis ins hohe Alter begleitetet wurden. Allen Hunden wurde eine altersentsprechende Gesundheit bescheinigt. 

Ist eine fleischlose Ernährung sogar gesünder?

Nennen wir ihn Achim. Achim ist ein Stubenhocker. Er zockt 20 Stunden am Tag GTA und stopft sich dabei Unmengen an Fastfood in sich hinein. Achim sieht selten das Tageslicht…

Allerdings – sitzt Achim dabei immer brav auf seinem Sportrad und tritt beim Zocken ordentlich in die Pedale. 

Lebt Achim deiner Ansicht nach gesund?

Eines dürfen wir bei dieser Überlegung nicht vergessen: rein statistisch setzen sich vegetarisch und vegan lebende Menschen  mehr mit ihrer Ernährung auseinander, rauchen seltener, trinken weniger Alkohol und treiben mehr Sport. Diesen Lebensstil übertragen sie oft auch auf ihr Tier.

Gerade zu veganer und vegetarischer Ernährung in Hunden ist die Datenlange, gerade was Langzeitstudien angeht, noch lückenhaft. 

Und doch haben wir einige gute Argumente auf unserer Seite, die für eine fleischlose Ernährung bei unseren Hunden spricht. 

Das spricht für eine vegane oder vegetarische Ernährung

Alle bisher publizierten Studien zu fleischloser Ernährung in Hunden zeigen, dass eine richtig abgestimmte vegane oder vegetarische Ernährung in Hunden ohne gesundheitliche Einschränkungen möglich ist.

Im Gegenteil. Es gibt Hinweise darauf, dass zumindest eine Zeitweise vegane Ernährung Nährstoffdefizite sogar ausgleichen kann. 

Aus der Forschung im Menschen wissen wir, dass zu viel Fleisch dem Körper schadet und das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle, Typ 2 Diabetes und diverse Arten von Krebs erhöht.

Ein möglicher Grund dafür ist, dass gerade rotes Fleisch hohe Gehalte an der Fettsäure Arachidonsäure beinhalten. Diese Fettsäure ist für Entzündungsprozesse essentiell.

Der Hundekörper hat sich im Laufe der Entwicklung auf die Verwertung von Kohlehydrate eingestellt. Studien in frei-lebenden Hunden zeigen zudem, dass der tierischen Anteile ihrer Ernährung je nach Lebensraum lediglich 24% bis 53% entspricht. „Natürlich“ ist eine Ernährung die zum größten Teil aus Fleisch besteht, demnach nicht. 

 

 Solltest du dir unsicher sein, ob du deinen Hund wirklich komplett vegetarisch oder vegan ernähren möchtest, kommt ja eine fleischreduzierte Ernährung ja vielleicht in Frage. 

(1) www.Statista.com

(2)https://www.planetwissen.de/gesellschaft/essen/vegetarier/index.html#:~:text=%C3%96kologische%20Gr%C3%BCnde,In%20den%20Entwicklungsl%C3%A4ndern&text=Mit%20dem%20Wasserverbrauch%20zur%20Erzeugung,ihre%20Hinwendung%20zum%20Vegetarismus%20ableiten.

(3) Fox N, Ward K. Health, ethics and environment: A qualitative study of vegetarian motivations. Appetite. 2008;50(2–3):422–429. pmid:17980457

(4) Kersche-Risch P. Vegan diet: motives, approach and duration. Ernahrungs Umschau. 2015;62(6):98–103.

(5) de Boer J, Aiking H. On the merits of plant-based proteins for global food security: Marrying macro and micro perspectives. Ecological Economics. 2011;71:1259–1265.

(6) .Bella F, Justyna G, Ippolito A, Di Prima A, Sciacca S. Differences in the association between empirically derived dietary patterns and cancer: a meta-analysis. International Journal of Food Sciences and Nutrition. 2017;68(4):402–410. pmid:27894200

(7) World Health Organization. 2015 [cited 12 Dec 2017]. http://www.who.int/.

(8) Brown, W. Y. „Nutritional and ethical issues regarding vegetarianism in the domestic dog.“ Recent Adv. Anim. Nutr. Aust 17 (2009): 137-143.

(9) Brown, R. (1989). Protein in dog foods. Canine Veterinary Journal 30, 528–531.

(10) Ovodov, N.D.; Crockford, S.J.; Kuzmin, Y.V.; Higham, T.F.; Hodgins, G.W.; van der Plicht, J. A 33,000-year-old

incipient dog from the Altai mountains of Siberia: Evidence of the earliest domestication disrupted by the

last glacial maximum. PLoS ONE 2011, 6, e22821. [CrossRef] [PubMed]

(11) Buff, P.R.; Carter, R.A.; Bauer, J.E.; Kersey, J.N. Natural pet food: A review of natural diets and their impact 

on canine and feline physiology. J. Anim. Sci. 2014, 92, 3781–3791. [CrossRef] [PubMed]

(12) Axelsson, E.; Ratnakumar, A.; Arendt, M.L.; Maqbool, K.; Webster, M.T.; Perloski, M.; Liberg, O.;

Arnemo, J.M.; Hedhammar, A.; Lindblad-Toh, K. The genomic signature of dog domestication reveals

adaptation to a starch-rich diet. Nature 2013, 495, 360–364. [CrossRef] [PubMed]

(13) Oelbaum, J. My Cat, the Vegan. Available online: http://www.webcitation.org/6ine9k5VK (accessed on

7 June 2016).

(14) Gentle World. Good Nutrition for Healthy Vegan Dogs. Available online: http://www.webcitation.org/

6ineIZmNQ (accessed on 7 June 2016).

(15) Peden, J. Vegetarian Cats & Dogs, 3rd ed.; Harbingers of a New Age: Troy, MT, USA, 1999.

(16) Semp, P.-G. Vegan Nutrition of Dogs and Cats. Master’s Thesis, Veterinary University of Vienna, Vienna,

Austria, 2014.

(17) People for the Ethical Treatement of Animals (PETA). Dog Health Survey. Available online: http://www.

helpinganimals.com/h-vegcat-survey.html (accessed on 8 December 2014).

(18) Kiemer, Lukas Andreas. „Vegan diet and its effects on the dog´ s health.“ (2020).

(19) https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/hundefutter-fleisch-allergie-vegan-1.4737625

(20) Butler, J. R. A., and J. T. Du Toit. „Diet of free-ranging domestic dogs (Canis familiaris) in rural Zimbabwe: implications for wild scavengers on the periphery of wildlife reserves.“ Animal Conservation Forum. Vol. 5. No. 1. Cambridge University Press, 2002.

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